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Werraversalzung - Kaliproduktion ohne Abwässer
Sonntag, 06 November 2011 | Autor: Dr. Walter Hölzel

Was hat Dr. Diekmann zu verbergen?

Die K-UTEC AG in Sondershausen hat dem Kalihersteller K+S Kali GmbH Vorschläge unterbreitet, wie die Kaliproduktion im Werk Werra verbessert werden kann. Der Abstoß von Kali-Endlaugen in die Werra und den Untergrund läßt sich damit minimieren. K+S hatte die Gutachten angefordert und zwei Abwasserproben geliefert, die Existenz der Gutachten wird allerdings bisher abgestritten.

Zu der überraschenden Anfrage bei der K-UTEC AG war es nach einer Podiumsdiskussion in Hann.Münden gekommen. Der niedersächsische Landtagsabgeordnete Ronald Schminke hatte vor Bundestagsabgeordneten der AG "Fließgewässer" und zahlreichen Gästen gefordert, im Werk Werra der den Stand der Technik einzusetzen und dazu notfalls eine Expertise der K-UTEC AG einzuholen. Er wurde dabei nachdrücklich unterstützt von der Bundestagsabgeordneten Nicole Maisch aus Kassel.

Der Geschäftsführer der K+S Kali GmbH, Dr. Ralf Diekmann, hat dort schließlich zugesagt, entsprechende Gutachten bei der K-UTEC AG in Auftrag zu geben. Herr Schminke sollte an der Formulierung des Auftrags mitwirken und über die Ergebnisse informiert werden.

Die Beauftragung an die K-UTEC ist erfolgt, aber an seine weiteren Zusagen will sich Dr. Diekmann nicht erinnern. Tatsächlich ist Ronald Schminke weder an der Auswahl der Untersuchungsgegenstände beteiligt worden noch erhält er Einblick in die Gutachten der K-UTEC AG. Seinen Pressesprecher lässt Dr. Diekmann stattdessen poltern, solche Zugeständnisse seien "aus dem Bereich der Fabeln". Die Gutachten würden auch erst Ende November erwartet.

Dokumente widerlegen die Darstellung der K+S Kali GmbH

Die Tatsachen widersprechen den Abgaben des Pressesprechers. Der WWA liegt ein Schreiben vor, aus der hervorgeht, dass die Gutachten bereits am 1. September der K+S Kali GmbH übergeben worden sind. Roland Schminke ist damit bestätigt.

"Offenbar sind die Aussagen der Gutachten für den Kalihersteller derart peinlich, dass er drei Monate braucht, um sie zu verarbeiten. Es wäre ohnehin ein Armutszeugnis für die Betriebschemiker und Bergingenieure der K+S, wenn moderne Verfahren nicht an die Salze im Werrarevier angepasst werden könnten. Das haben die Angestellten der K+S Kali GmbH sicher nicht verdient.", so Dr. Walter Hölzel, Vorsitzender der Werra-Weser- Anrainerkonferenz e.V.

"Wir erwarten von Dr. Diekmann, dass die Gutachten unverzüglich den Genehmigungsbehörden vorgelegt werden. Außerdem muss Herrn Schminke die zugesagte Einsicht in die Fragestellungen und die Originalgutachten gewährt werden. ‚Zusammenfassungen’ oder ‚allgemeinverständliche Darstellungen’ genügen uns nicht. Auch reichen Gutachten zu lediglich zwei Abwasserproben nicht aus. K+S gibt an, dass im Werk Werra elf verschiedene Abwässer anfallen. Eine Lösung des Entsorgungsnotstands ist nur zu erwarten, wenn alle Aspekte ins Auge gefasst werden. Dazu gehören auch die Haldenproblematik und die für den Versatz der Abfälle bisher nicht genutzten Abbauhohlräume.", so Hölzel weiter.

Die K-UTEC AG ist bekannt geworden, weil sie sich gemeinsam mit dem israelischen Bergwerksunternehmen ICL um eine stillgelegte Kaligrube in Roßleben bewirbt. Der Betriebsplan sieht vor, dort wieder Rohsalze abzubauen und Kalidünger herzustellen, ohne jedoch Endlaugen in die Flüsse zu leiten und ohne Salzhalden anzulegen. Die Rückstände werden vollständig in Grubenhohlräume eingebaut. Dies ist der aktuelle Stand der Technik in der Kaliindustrie.

Die K+S Kali GmbH hatte bisher immer vorgeschützt, die von K-UTEC entwickelten Verfahren seien nicht auf die Lagerstätte an der Werra zu übertragen. Die Frage, ob es technische Verfahren im Sinne der "bestverfügbaren Technik" gibt, die eine Reduzierung der Umweltbelastung bei der Kaliherstellung ermöglichen, ist von entscheidender Bedeutung für die Erteilung von Genehmigungen zur Abfallentsorgung.

Die K+S Kali GmbH hatte diese Frage bisher immer verneint. Solche Verfahren gebe es nicht, oder sie seien nicht zu übertragen auf die Lagerstätte an der Werra, oder sie seinen zu teuer, hieß es in den Verlautbarungen des Unternehmens. Die Genehmigungsbehörden haben diese Behauptungen bisher ungeprüft in die erteilten Genehmigungen übernommen. Der Stand der Technik darf jetzt auch dort nicht mehr übersehen werden.

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