Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat weitere einschneidende Konsequenzen aus der Finanzkrise gefordert. "Der Schutzschirm für die Banken ist richtig, jetzt müssen auch die verbraucherpolitischen Konsequenzen folgen", sagt Vorstand Gerd Billen. Um den Finanzmarkt auf verlässliche Füße zu stellen, müsse jetzt politisch und unternehmerisch grundlegend neu justiert werden. "Der faire Umgang mit Kunden muss zur obersten Handlungsmaxime der Finanzbranche werden", so Billen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband legt ein 11-Punkte-Programm vor, um das Vertrauen der Kunden in den Finanzmarkt wieder herzustellen.
"Auslöser der Krise war Unverantwortlichkeit - konkret bei der
Kreditvergabe", rief Billen in Erinnerung. Verantwortung sei das Wort
der Stunde. Nicht nur in Amerika, auch in Deutschland gab und gibt es
zahlreiche Fälle unverantwortlichen Verhaltens gegenüber Verbrauchern.
"Skandale wie der massive Verkauf von Schrottimmobilien, die Missstände
am Grauen Kapitalmarkt oder der provisionsorientierte Verkauf von
intransparenten und individuell unsinnigen Finanzdienstleistungen
belegen dies", so Billen. Es ist an der Zeit, Rahmenbedingen zu
schaffen, die vor allem Dingen auf die Verbraucher zugeschnitten sind.
In seinem 11-Punkte-Programm fordert der Verbraucherzentrale
Bundesverband den Gesetzgeber auf, die Marktaufsicht
verbraucherorientiert auszurichten, die Durchsetzung von
Haftungsansprüchen zu verbessern, Verbraucher wahrhaftig und
verständlich zu informieren und die unabhängige Finanzberatung der
Verbraucherzentralen zu stärken. Die langen Wartezeiten bei der
persönlichen Finanzberatung der Verbraucherzentralen sowie die
Überlastung der heute gestarteten Finanz-Hotline der
Verbraucherzentralen sind deutliche Belege für die Notwendigkeit, die
produkt- und anbieterunabhängige Beratung weiter auszubauen. Konkrete
Handlungsaufträge an die Bundesregierung sind:
- Stärkung des Anlegerschutzes: Anleger können derzeit ihre Rechte und Ansprüche nur unzureichend gegen Anbieter durchsetzen. Die geltenden Beweislastregeln und die maximal dreijährige Verjährungsfrist machen es ihnen oft unmöglich, eine fehlerhafte Beratung nachzuweisen und Schadensersatz-ansprüche geltend zu machen. Es muss hier eine Beweislastumkehr geben und die Verlängerung der Verjährungsfristen von drei auf zehn Jahren.
- Verbraucherorientierung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin):
Die BaFin muss aktiv die Interessen aller Marktteilnehmer, also auch
der Verbraucher, wahrnehmen können. Eine solche Ausdehnung ihres
Aufgabenbereichs stärkt ihre Durchsetzungskraft und die
Verantwortlichkeit der beaufsichtigten Unternehmen.
- Die Krisenfestigkeit der Einlagensicherung: Auf europäischer
Ebene arbeitet man bereits daran (z.B. durch Erhöhung der
Mindestsicherung auf 100.000 Euro, Auszahlung bereits drei Tage nach
Eintritt des Sicherungsfalls). Die Staatsgarantie ist gesetzlich zu
verankern.
- Verantwortlichkeit im Kreditgeschäft: Wir brauchen klare
Regeln, damit die Banken im Kreditgeschäft verantwortlich handeln. So
müssen die unseriöse Lockvogelwerbung mit Niedrigzinsen, die kaum einem
Verbraucher tatsächlich angeboten werden, verboten werden. Gleiches
gilt für den Verkauf von völlig überteuerten Restschuldversicherungen.
- Regeln für den Grauen Kapitalmarkt: Für den Grauen Kapitalmarkt müssen die gleichen Regeln wie für den "normalen" Finanzmarkt gelten. Der Graumarkt muss vollständig der Bundesaufsicht unterstellt und mit klaren Verhaltens- und Haftungsregeln versehen werden.
- Einführung einer "Ampelkennzeichnung" für Finanzprodukte:
Sie soll wichtige Eigenschaften des Produkts wie Risiko oder Kosten auf
einen Blick sichtbar machen. Die bisherigen Transparenzregeln reichen
nicht aus; noch immer werden entscheidende Produktinformationen
verschleiert oder im Wust der Informationen versteckt. Auch sollten
neuartige Finanzprodukte vor ihrer Zulassung genehmigt werden,
bestimmte Produkte für den Verkauf an private Anleger generell verboten
werden.
- Verbraucherzentralen als "Finanz-Leitzentrale": Als
effektive Krisenprävention und zur Wiederherstellung des Vertrauens der
Verbraucher in die Finanzmärkte müssen die Verbraucherinteressen
deutlich gestärkt werden. Wir benötigen eine effektive Marktkontrolle
und Verbrauchervertretung gegenüber Politik, Aufsicht, Finanzwirtschaft
und Öffentlichkeit. Diese Vertretung sollte dem Verbraucherzentrale
Bundesverband und den Verbraucherzentralen durch eine entsprechende
Institutionalisierung und Finanzierung übertragen werden. Hierzu sind
ihre Zuständigkeiten zu einer "Finanz-Leitzentrale" so auszubauen, dass
unter ihrem Dach eine neue Einheit aufgebaut wird, deren Ziel es ist,
eine am Verbraucher orientierte Marktbeobachtung und -kontrolle zu
implementieren.
Das vollständige Forderungspapier des Verbraucherzentrale Bundesverbandes: "Vertrauen der Verbraucher verspielt - Verantwortung im Finanzmarkt (wieder-) herstellen" finden Sie
hier.Finanz-Hotline der Verbraucherzentralen
Unter der Telefonnummer 0800 - 6648588 (kostenfrei aus dem Festnetz) bieten die Verbraucherzentralen und der Verbraucherzentrale Bundesverband Erste Hilfe in Finanzfragen. Montags bis freitags von 9.00 bis 21.00 Uhr stehen Finanzexperten der Verbraucherzentralen Betroffenen und Besorgten Rede und Antwort. Die Hotline wird finanziert vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV).

EUR
USD 
-0.897 %