Dalheimer Sommer holt Melodramen ins Kloster
Lichtenau-Dalheim (lwl). Von den "Alten Griechen" zum mittelalterlichen Kloster bis in jüngere Zeiten füllt der Dalheimer Sommer am Freitag, 27. August, eine heute fast vergessene Gattung wieder mit Leben: Das Melodram. Intendant Wolfgang Kühnhold, als anerkannter Rezitator bekannt, hat das Programm mit der Paderborner Pianistin Yoma Appenheimer erarbeitet. Sie geben unter anderem "Hektors Bestattung" von Botho Sigwart (Eulenburg) (1884-1915) und Max von Schillings "Das Hexenlied" (1902/03).
Abgeleitet vom griechischen "melos" für "Lied" und "drama" für "Handlung" kennzeichnet das Melodram ein Genre, das gesprochenes Wort und Musik zu einer Einheit verbindet. Sigwarts und von Schillings Werke sind kennzeichnend für den Aufschwung des Melodrams um 1900. Während "Hektors Bestattung" der letzte Gesang von Homers "Ilias" zugrundeliegt, basiert von Schillings "Hexenlied" auf einer Ballade von Ernst von Wildenbruch (1845-1909). Sie schildert die Beichte eines sterbenden Mönches, der als junger Priester, bei der Verbrennung einer "Hexe" zugegen war. Schillings trug mit seinem Paradestück für charismatische Rezitatoren, mehr noch als Humperdinck und Richard Strauss, zu einer Renaissance des Melodrams bei.
Die beiden Akteure Wolfgang Kühnhold und Yoma Appenheimer sind fester Bestandteil der Paderborner Kulturszene und auch darüber hinaus bekannt. Kühnhold war Akademischer Direktor für Sprachpraxis und Leiter der Studiobühne der Universität Paderborn. Sein Arbeitsfeld ist die Kunst des nachgestaltenden Sprechens. In vielfältigen Programmen vom Barock bis zur Gegenwart vermittelt er seinem Publikum die Bedeutsamkeit des gesprochenen Wortes für ein Verständnis deutscher Dichtung. Yoma Appenheimer wurde in ihrem Heimatland Chile als Pianistin ausgebildet. Nach diversen Stipendien legte sie 1972 an der Musikhochschule Detmold die Prüfung für Musikerziehung im Fach Klavier ab. Eine Spezialisierung auf dem Gebiet der Alten Musik erfolgte 1980 im Zusammenhang mit einem Cembalo-Studium in Detmold, das sie 1983 abschloss.
Das Museum im Kloster Dalheim hat jeweils bis Veranstaltungsbeginn geöffnet. Der Eintritt ist für Inhaber von Konzertkarten von 18 bis 19 Uhr frei. Vor der Veranstaltung und in der Konzertpause bietet das Klosterwirtshaus Getränke und kleine Speisen an.
Karten montags bis freitags und an Veranstaltungstagen von 10 bis18 Uhr unter Telefon 05292 9319-224 und am Konzerttag ab 18 Uhr an der Abendkasse am Haupttor.

www.dalheimer-sommer.de