Was ist dran am digitalen Euro?

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Die Diskussion um digitales Zentralbankgeld ist in Europa entfacht und wird immer konkreter. Dass die Entwicklung nun forciert wird, liegt aber vor allem an China. Hier wird schon jetzt der digitale E-Yuan getestet. In den staatlich gedeckten Coin der Yuan Pay Group können auch ausländische Investoren investieren.

Digitale Coins nehmen immer mehr an Bedeutung zu, so startet auch Facebook nach dem Aus von Libra mit dem Diem-Dollar einen weiteren Versuch. Doch was ist mit dem Digital-Euro der EZB?

Warum brauchen wir elektronische Zahlungsmittel?

Auch die Europäische Zentralbank arbeitet an einer digitalen Währung. Diese Währung soll zum einen das Bargeld ergänzen und zum anderen soll das Bezahlen im internationalen Handel sowie der Handel im Internet durch den E-Euro schneller und einfacher werden.

Aber nicht nur die EZB und China arbeiten an digitalen Währungen. Und auch andere Länder wie die USA oder Kanada wollen, wie auch Facebook, digitales Geld auf den Markt bringen und jeweils an eigenen E-Währungen arbeiten.

Vorteile in diesem digitalen Geld werden sowohl in der Überweisungsgeschwindigkeit als auch in der Anonymität bei der Nutzung der digitalen Währungen, gesehen. Laut einer Befragung der EZB wünschen sich die Hälfte der Teilnehmer einen höheren Schutz der Privatsphäre.

Erreicht werden sollen dann sekundenschnelle Geldüberweisungen weltweit. Dies ist wohl die größte Hoffnung, bezogen auf den digitalen E-Euro.

Was genau ist eigentlich der digitale Euro?

Der digitale Euro soll, genau wie die Kryptowährungen, in die digitale Welt überführt werden. Hinsichtlich der Bedeutung des Bargeldes sind sich sowohl die EU-Kommission als auch die EZB darüber einig, dass die Bedeutsamkeit hier immer mehr zurückgehen wird. Im E-Euro wird somit eine weitere Möglichkeit zum Sparen und Bezahlen gesehen.

Vieles ist noch nicht abschließend geklärt, so ist noch vollkommen unklar, ob der E-Euro nur für Banken oder auch allgemein bereitgestellt werden soll. Eine weitere offene Frage betrifft die Ausgabe des E-Euros. Hier ist noch unklar, ob der E-Euro über eine dezentrale Datenbank, wie beispielsweise die Blockchain, ausgegeben werden soll, oder ob dies über ein konventionelles Datenbanksystem geschehen soll. Bargeld ersetzen soll die digitale Währung keinesfalls, darüber besteht Einigkeit.

Spielt die Blockchain hier auch eine Rolle?

Bei der Blockchain-Technologie handelt es sich um hintereinander abgespeicherte Datenblöcke, die wie eine Kette aufgereiht sind. Bei dieser Datenbank handelt es sich um eine verteilte Datenbank. Das bedeutet, die Daten liegen nicht nur auf einem Server, sondern sämtliche Teilnehmer der Blockchain-Technologie verfügen eine vollständige Kopie der Datenbank auf ihrem Rechner. Weil jeder neue Datenblock mit dem vorangegangen verbunden ist, ist die Blockchain absolut fälschungssicher. Einmal abgelegte Daten können hier nicht mehr verändert werden.

Die Einsatzgebiete eines digitalen Euros

Hier gibt es gleich mehrere Vorteile, die mit der Einführung eines E-Euros einhergehen würden. Besonders im Fokus steht hier aber die sekundenschnelle und kostengünstige Überweisung. Das hat auch über alle Landesgrenzen hinaus seine Gültigkeit. Noch stellt es sich so dar, dass oftmals eine Überweisung nach China mehr Zeit benötigt als der Warentransport selbst. Ein weiterer Aspekt sind zudem die Kleinstüberweisungen (Micro Payments), ebenso wie die Automatisierung von Transaktionen.

Gerade die Industrie befürwortet hinsichtlich der künftigen Innovationen im Bereich Industrie 4.0 die Einführung eines digitalen Euros. Beispielsweise könnten so Maschinen, die mit dem Internet verbunden sind, automatisch am Zahlungsverkehr teilnehmen. Das würde bedeuten, sie wären in der Lage, selbstständig Umsätze und Kosten zu buchen.

Es wäre auch denkbar, dass ein Kühlschrank künftig eine leere Saftflasche bemerken würde, und da das Gerät mit dem Internet verbunden ist, könnte gleich die Bestellung für eine neue Flasche Saft vorgenommen werden. Diese Bestellung würde dann mit dem E-Euro bezahlt.

Die Anonymität spielt hier eine weitere extrem wichtige Rolle. Mitte April wurden die Ergebnisse einer öffentlichen Konsultation hinsichtlich des digitalen Euros von der EZB veröffentlicht. Hier zeigte sich, dass die Nachvollziehbarkeit der Geldströme ein elementarer Faktor ist, mit dem sich die Öffentlichkeit beschäftigt. Hier spielt der Schutz der Privatsphäre die wichtigste Rolle, das betonten 43 % der Öffentlichkeit und auch der Fachleute. Weitere wichtige Faktoren betrafen die erhöhte Sicherheit, die Möglichkeit im Euroraum bezahlen zu können, ebenso wie die Kostenersparnis.

Die Zeit spiel auch hier eine große Rolle

Fakt ist, dass Zeit hier eine wichtige Rolle spielt, denn schon jetzt testet China seine staatliche Digitalwährung DCEP. Auch wenn alles noch in Kinderschuhen steckt, kann die Digitalwährung bereits jetzt beim Online-Shopping genutzt werden, wenn auch derzeit nur bei einem Anbieter.

Die Digitalwährung wird zudem für die Auszahlung staatlicher Leistungen genutzt. Und seit kurzem wird probeweise eine App eingesetzt, die dazu dient, mit E-Yuan zu bezahlen.

Das spricht für den E-Euro

Vordergründig geht es hier um die Sicherheit und um die Stabilität. Von Kursschwankungen ist der E-Euro weniger bedroht und hier ist für die einwandfreie Ausführung der Zahlungsvorgänge gesorgt. An der Vermarktung von Nutzerdaten hat die EZB kein Interesse.

Mit dem E-Euro sind keine zusätzlichen Kosten verbunden und vor allem ist seine Schaffung, ganz anders als bei den Kryptowährungen, sehr viel umweltfreundlicher.

Warum ist die Einführung so zögerlich?

Sowohl der Finanzminister von Deutschland, als auch die Finanzminister von Frankreich, Spanien und Italien haben sich gegen eine schnelle und überstürzte Einführung der digitalen Währung ausgesprochen. Ihnen geht es vor allem darum, dass alle eventuellen Risiken, auch hinsichtlich der Gesetzgebung, in angemessener Art und Weise ihre Berücksichtigung finden.

So sieht beispielsweise Jens Weidmann, der Chef der Bundesbank, hier noch deutlichen Informationsbedarf. Ähnlich sieht das auch der Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Für ihn muss es zunächst, laut eigener Aussage, ein „sehr klares“ Regelwerk geben.

Darüber hinaus gibt es im Bereich der IT-Sicherheit und des Datenschutzes noch einige Aspekte, die zunächst abgeklärt werden müssen.

Die weitere Vorgehensweise

Damit Europa in diesem Bereich nicht doch am Ende noch vollkommen abgehängt wird, ist es dem IT-Branchenverband Bitkom sehr wichtig, bezüglich der Erprobung des digitalen Euros das Tempo jetzt deutlich zu erhöhen. Auch die Wissenschaft unterstützt diese Meinung. Die zuständigen Köpfe der Sparkassen-Finanzgruppe sehen hier keine Eile geboten und sind der Meinung, dass zuvor auf jeden Fall die gesamtgesellschaftlichen Wirkungen überdacht werden müssten. Nun hängt vorläufig alles von dem Ergebnis der EZB-Taskforce ab, wann der E-Euro im Euroraum startet.

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